Naturhufpflege » Frage und Antwort

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Was bedeutet Naturhufpflege? Gibt’s jetzt auch schon „Bio-Schmiede“?

Unter Naturhufpflege verstehen wir eine möglichst naturnahe Hufbearbeitung nach dem Vorbild der Wildpferdehufe. Fast jedes Pferd ist in der Lage, seinen individuellen, gesunden und leistungsfähigen Barhuf zu entwickeln!

Der Mangel an Hornabrieb und die oft nicht optimalen Lebensbedingungen der Pferde legen den Grundstein für Huferkrankungen, Deformationen und Fehlstellungen.

Die Naturhufpflege ahmt den natürlichen Abrieb nach, beugt Huferkrankungen vor und hilft deformierten Hufen, ihre natürliche Form zurück zu erlangen. Naturhufpflege beinhaltet ein ganzheitliches Konzept, welches mit Optimierung von Haltungsbedingungen, Bewegungsmenge, Fütterung, usw. gesunde Hufe und ein leistungsstarkes Pferd erzielen kann.

Worin besteht der Unterschied zwischen der Naturhufpflege und der Barhufbearbeitung durch einen Schmied? Kann mein Schmied das auch?

Der entscheidende Unterschied liegt im Schwerpunkt der Ausbildung. Der Hufschmied lernt in seiner Ausbildung sehr viel über das Richten und Schmieden von Hufeisen, das Beschlagen, die Verwendung von Spezialbeschlägen und alles, was damit zusammen hängt. Früher war in vielen Bundesländern eine abgeschlossene Ausbildung im Metallbau für diesen Berufszweig Voraussetzung. Obwohl das Hufbeschlaggesetz 2006 einige Änderungen bezüglich der Ausbildung und Prüfung mit sich brachte und die Schmiede praktisch nun nicht nur im Warmbeschlag sondern auch im Alternativbeschlag (d.h. Aluminiumbeschläge, Kunststoffbeschläge oder Klebebeschläge) so wie in der Barhufbearbeitung geprüft werden, haben sich die Schwerpunkte der Ausbildung kaum verändert. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Barhufbearbeitung, so wie die verschiedenen Hufzubereitungstheorien, einen kaum vorhandenen Stellenwert einnehmen und auch hier die Prüfungskriterien bezüglich der Bearbeitung der Barhufe im Wesentlichen aus der Fesselstandstheorie, der Fußungstheorie und der planen Zubereitung der Hufunterseite bestehen und sich höchstens in der Menge des Abzutragenden Horns und der Kantenbrechung von der Zubereitung eines Hufes für einen Beschlag unterscheiden. Daraus resultiert, dass die Barhufbearbeitung vieler Schmiede so aussieht, als würde der Huf für ein Hufeisen vorbereitet werden, was zur Folge haben kann, dass die Funktionalität am Barhuf eingeschränkt wird. Wie gut die Barhufbearbeitung Deines Schmiedes ist, hängt sicherlich mit seiner Erfahrung und Fortbildung im Barhufsektor zusammen.

In der Ausbildung zum Naturhufpfleger kümmern wir uns intensiv um alle Belange, die ein Barhuf benötigt um stabil und effektiv zu funktionieren; unsere Sicht auf das Pferd ist ganzheitlich. Wir verbringen viel Zeit damit Techniken der Barhufbearbeitung, Huffunktion, Anatomie und Zusammenhänge im gesamten Organismus in ihrer Essenz zu begreifen und anzuwenden. Dafür ist eine lange Ausbildungszeit notwendig, das Beschlagen ist hier nicht Teil der Ausbildung. Wir haben gelernt, den Huf so zu bearbeiten, dass er von alleine in seine natürliche Form zurückfindet und damit gesund und leistungsstark wird und bleibt. So bearbeitet können viele Pferde auf den Beschlag verzichten. Während der Hufschmied fast alle Probleme, die am Huf auftreten, mit einem Beschlag lösen möchte, handhaben wir es anders –> wir lösen Probleme individuell mit der Barhufbearbeitung. Sollte eines unserer Kundenpferde vorübergehend mit einer Beschlagslösung versorgt werden müssen, nutzen wir dafür unsere Kontakte zu guten Schmieden. Im Vordergrund steht für uns immer das Wohl des Pferdes, wir ziehen mit dem Besitzer an einem Strang.

Wenn wir Hufspezifisches erklären, werden wir oft gefragt, warum Hufschmiede und auch Tierärzte über die Zusammenhänge nicht informiert sind. Fakt ist, dass die neuen Erkenntnisse der natürlichen Barhufbearbeitung nur sehr langsam bis an die Universitäten, Hochschulen oder Lehrschmieden durchsickern. Wir versuchen dicht an der Quelle zu sein, z. B. durch Kontakte zu den aktuellen Wildpferde-Forschern wie Brian Hampson und Chris Pollit, Australien (http://www.wildhorseresearch.com), die wir nach Möglichkeit als Referenten auch nach Deutschland einladen. Im September 2010 und Mai 2011 hatten wir Brian Hampson für unsere Gesundehufe-Seminare einfliegen lassen. Inzwischen tourt er regelmäßig mit seinen Vorträgen durch ganz Europa und wir freuen uns sehr, dass er fester Bestandteil vieler Fortbildungsveranstaltungen auch in Deutschland geworden ist.

Leider ist es oft so, dass die Pferdebesitzer Sofortlösungen für ihre Probleme erwarten und sich nicht mehr die Zeit nehmen, Krankheiten auszukurieren. So wie es heute üblich ist, bei der kleinsten Erkältung Antibiotika zu nehmen und weiter zu arbeiten, so erwarten auch viele Pferdebesitzer vom Hufschmied und Tierarzt, dass sie ihrem Pferd SOFORT helfen. Die Hufstrukturen sind immer in Bewegung, aber sie benötigen viel Zeit um sich entsprechend umzubauen, z. B. um sich nach unpassender Bearbeitung oder Beschlag zu regenerieren.

Warum sind artgerechte Haltungsbedingungen eine Grundvoraussetzung, damit mein Pferd gesunde, leistungsstarke Barhufe bekommen kann?

Als Steppentier pilgert das wildlebende Pferd seit 60 Millionen Jahren täglich 20 - 30 km barfuß problemlos in JEDEM Tempo über JEDEN Boden zwischen Ruheplätzen, Weide- und Wasserstellen hin und her und gehört damit zum Fernwanderwild. Das tut es, um zu überleben.

Wechselndes und sehr karges Futter, Unmengen an Bewegung in natürlicher Körperhaltung mit tief gehaltenem Kopf und Hufbäder an der Tränke sind essentiell für das Lauftier Pferd. Sein gesamter Organismus ist an diese Bedingungen perfekt angepasst und auf natürliche Reize wie Temperaturschwankungen, Sonne und frische Luft angewiesen, andernfalls wird es krank. Als Anpassungskünstler kompensiert das Pferd so gut es ihm möglich ist, so dass wir Krankheiten oft erst sehen, wenn sie schon weit fortgeschritten sind.

Unter Belastung wird binnen 10 Tritten ca.  1 Liter Blut in jedem Huf umgewälzt. Bewegung ist notwendig um die Fesselpumpe, die maßgeblich am Blutumtrieb beteiligt ist, in Gang zu halten und das Herz des Pferdes aktiv zu unterstützen. Das funktioniert natürlich nur durch ständige Bewegung, die wir z. B. in guten Offenställen mit gezielten Bewegungsanreizen und homogenen Herden für das Pferd erreichen können. Selbstverständlich sehen wir, dass Pferdebesitzer Kompromisse eingehen müssen, wenn sie ihr Pferd in einer Pensionspferdehaltung unterbringen. Wir freuen uns darüber, dass immer mehr gewerbliche Pensionsbetriebe sich bemühen für artgerechtere Unterbringung zu sorgen.

Damit Hufe stark, leistungsfähig und unempfindlich gegenüber wechselnden Untergründen beim Reiten sind und fest zutreten können, müssen sie benutzt und trainiert werden. Was nicht benutzt wird verkümmert. Das Bewegen auf hartem Boden, wie Asphalt, Schotter, steinigem Boden ist sowohl für die Anregung des Hufwachstums als auch für die Justierung der Nerven im Huf (Schmerzmelder) notwendig. Diese Untergründe sollten beim Reiten nicht gemieden werden, da nur in den seltensten Fällen der Abrieb größer ist als das Wachstum. Auch die übliche Unterbringung der Pferde sollte dieses wichtige Training berücksichtigen. Stell Dir vor wie es ist, wenn du am Anfang des Sommers das erste Mal barfuß einen Schotterweg entlangläufst. Das tut weh und Du reagierst mit Ausweichbewegungen, um den Schmerz so gering wie möglich zu halten. Später im Sommer ist es kein Problem mehr, da sich Hornhaut am Fuß gebildet hat und die Füße sich daran gewöhnt haben so dass das nicht mehr als Schmerz interpretiert wird.

Wenn das Pferd 23 Stunden in der Box oder auf einem Mutterboden-Paddock wohnt, kann sich der Huf und auch das Gefühl im Huf nicht entsprechend anpassen. Die Nerven bleiben fehlgeleitet und der Huf wird überempfindlich.

Viele domestizierte Pferde leben in Boxen, die gerade mal so groß sind, dass sie sich umdrehen können. Die wenige Zeit, die sie im Freien verbringen dürfen, reicht nicht aus, um ihren Bewegungsmangel auszugleichen. Laut Studie legt ein Boxenpferd ca. 0,7 km pro Tag zurück, vergleicht man damit die 20 – 30km pro Tag eines wildlebenden Pferdes, wird klar, dass viele Krankheiten nicht entstehen müssten, wenn wir dafür sorgen, dass unsere Pferde sich selbst angemessen bewegen dürfen. 

Was passiert also bei starker Bewegungseinschränkung mit den Hufen durch die konventionelle Pferdehaltung?

Die Muskulatur verkümmert, die Hufe werden von exkrementbelasteter Einstreu zerfressen und können so oft nur noch mit Hilfe des Hufbeschlages Leistung vollbringen. Die Blutzirkulation wird durch mangelnden Hufmechanismus eingeschränkt, das Hufhorn wächst langsamer und in schlechterer Qualität. Außerdem fehlt die Herzunterstützung der Hufpumpfunktion, der Stoffwechsel wird beeinträchtig, da die Entgiftung über die Hufe nicht mehr funktioniert. Leber und Niere werden überlastet. Weitere Folgen für den Organismus sind: die Lunge wird durch den Ammoniakdampf angegriffen, die portionierten Mahlzeiten bringen die Verdauung des Dauerfressers durcheinander, lebensnotwendige Darmbakterien sterben ab, durch fehlenden Sauerstoff entsteht Blutübersäuerung, das Fell kann sich auf Grund der fehlenden Temperaturschwankungen nicht angemessen entwickeln, Sozialkontakte sind unzulänglich und das Ausleben des Fluchtreflexes nicht möglich.

Ein solcher Zustand nimmt dem Pferd jegliche Lebensgrundlage, die für einen gesunden Organismus essentiell notwendig ist! Die Hufe können nur gesund und leistungsstark werden und bleiben, wenn der Organismus gesund und leistungsfähig ist oder umgekehrt. Naturhufpflege beinhaltet ein ganzheitliches Konzept, was nur mit Optimierung von Haltungsbedingungen, Bewegungsmenge, Fütterung etc. seine volle Wirkung erzielen kann.

Vergleiche: Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du Dein Leben auf einem Dixi-Klo verbringen müsstest (mit ein paar Stunden Ausgang am Tag, an denen Du hart arbeiten musst, mit genügend Platz zum Umdrehen, drei Mahlzeiten pro Tag und einem sauberen Untergrund)? Wie würde sich das auf Deine Gesundheit auswirken?

Warum sollte ich meinem Pferd die Eisen abnehmen oder es von Naturhufpflegern ausschneiden lassen, wenn es doch völlig gesund ist?

Wenn Dein Pferd wirklich gesunde Hufe hat, braucht es KEINEN Hufschutz. Wildlebende Pferde laufen seit 60 Millionen Jahren täglich 20 - 30 km barfuß in JEDEM Tempo über JEDEN Boden – auch über Geröll und Steine! Das Pferd ist drauf ausgerichtet mit abriebintensiven Untergründen zurechtzukommen.

Das Hufwachstum passt sich an diese viele Benutzung entsprechend an, auch bei den heutigen Pferden. Natürlich ist individuell zu entscheiden, ob die Pferdehaltung ausreichend Huftraining gewährleisten kann; die Erfahrung zeigt, dass die meisten Pferde barhuf laufen können, ggf. beim Reiten im Gelände mit temporärem Hufschutz in Form von gut angepassten Hufschuhen. Das Gesundehufe-Team hat viel Erfahrung mit Hufschuhen der verschiedenen Hersteller, da immer ein gut passender Schuh eingesetzt werden muss.

Voraussetzung für die Entwicklung harter Hufe, die ein komfortables Laufen ermöglichen, sind naturnahe Bedingungen: Von Geburt an täglich viele Kilometer Bewegung auf jedem Boden, tägliche „Fußbäder“ an der Tränke und die richtige Ernährung. Bedenke, dass viele Pferde gezwungen werden, große Teile des Tages in ihren eigenen Exkrementen innerhalb eines kleinen Käfigs (Box) zu verbringen, die Ernährung häufig unnatürlich ist und das Pferd sehr oft nur mit weichen Böden in Kontakt kommt. Auch wenn die genetischen Voraussetzungen oder die Aufzucht – Bedingungen nicht optimal verlaufen sind, sind die Hufe in der Lage sich entsprechend auszuformen, wenn wir für ein entsprechendes Training sorgen können.

Vergleiche: Wie weit stimmt der Lebensraum Deines Pferdes mit den natürlichen Bedingungen überein? Wie belastbar sind Deine Fingernägel nach einem mehrstündigen Bad in Ammoniak (Salmiaklösung)?

Daher ist es wichtig einen möglichst artgerechten Lebensraum für das Pferd zu schaffen und auch beim Reiten im Gelände die Trainingsmöglichkeiten für den Huf zu nutzen, d. h. Reiten auf unterschiedlichen Untergründen und nicht nur den weichen Randstreifen zu nutzen. Die Hufe können dabei auch äußerlich unterstützt werden mit geeigneten Spezialmitteln. Z. B. gibt es Hufhärter und Desinfektionsmittel, die auch über den Naturhufpfleger bezogen werden können. Um einige Mittel zu nennen mit denen wir gute Erfahrungen gemacht haben: Trush Remedy von Absorbine, Jodogel, DuroGel, THM-Strahlbalsam, Huf-Stabil und Huf-Stabil extra, Keralit, Keralit Undercover, etc.

Warum sind so viele Pferde beschlagen oder laufen mit Hufschuhen?

Wir sind heute daran gewöhnt, für alle Probleme eine schnelle Lösung parat zu haben. Ein nicht artgerecht aufgewachsenes und gehaltenes Pferd geht bei Belastung „fühlig“, das Hufhorn ist weich und brüchig, nicht dick genug und da wir gerne reiten wollen nutzen wir vertraute Sofort-Lösungen, indem wir ihm Eisen aufnageln oder Hufschuhe anziehen, zudem auch viele Fachleute nur diese Lösung in ihrem Repertoire bereit halten.

Eisen oder anderer Hufschutz verhindern allerdings auch weiterhin, dass sich der Huf an die von uns gewünschte Belastung anpassen kann, da das Hufhorn vom Kronsaum entsprechend der Belastung gebildet wird. Hufschutz kann nötig werden, wenn man das Pferd plötzlich und ohne vorbereitendes Training über härtere Böden reiten will, als man sie zu Hause vorfindet, was z.B. gesteigerten Hornabrieb bedeutet. Durch einen gut passenden Hufschuh ist es möglich, den Huf auf dem Weg des Gesundwerdens zu unterstützen und ihn genau in dem Maße zu schützen, wie er es wirklich benötigt, so dass das Pferd in seiner "Freizeit" die Vorteile des Barhufes genießen kann. Bewegt sich das Pferd barfuß auf hartem, abriebintensivem Boden, wird am Kornsaum hartes, stabiles Horn produziert, dass einer solchen Beanspruchung ohne Weiteres standhält. Wird der Huf durch einen permanenten Hufschutz geschützt, bekommt der Kronsaum die Info, dass qualitativ gutes Horn gar nicht benötigt wird, weil ja auch keine große Beanspruchung/Abnutzung vorliegt! Es dauert also seine Zeit, bis das hochwertige Horn herunter gewachsen ist und sich das Pferd vollständig an die Bodenverhältnisse angepasst hat. Um das gezielt zu trainieren, kann viel Schritt auf Asphalt geritten werden und dort auch langsam getrabt werden. Dabei ist das Pferd genau zu beobachten, denn es soll natürlich keine Systemüberlastung herbeigeführt werden, die das Pferd am Huf z. B. mit einer Lederhautentzündung ausdrücken kann. Gutes Hufmaterial kann mit

Durch einen Hufschutz können wir das Pferd SOFORT in einer Weise nutzen, der es gesundheitlich vielleicht (noch) nicht gewachsen ist. Wenn ein Pferd davon keinen Schaden, sondern Nutzen trägt, ist das gut. Aber: Jeder FEST ANGEBRACHTE Hufschutz birgt die Gefahr, Probleme zu verschleiern und das Pferd trotzdem sofort nutzbar zu machen. So angewandt, wird nachweislich die Hufgesundheit und der Gesamtorganismus des Pferdes Schaden tragen. Hinzu kommt, dass leider nur sehr wenige Hufbearbeiter in der Lage sind, den Huf gut auszubalancieren und korrekt zuzubereiten, geschweige denn, ihn dementsprechend zu beschlagen. Werden hierbei Fehler gemacht, wird die Situation bis zum nächsten Beschlag nicht nur konserviert sondern mit ansteigendem Hornwachstum merklich schlechter, weil der Huf weiter aus der Balance kippt und sich das Pferd den Huf nicht wie am Barhuf zurecht laufen kann. So angewandt ist Beschlag nicht dazu geeignet, die Hufgesundheit wieder herzustellen, geschweige denn, sie langfristig zu erhalten. Nähere Infos zu den Auswirkungen von Hufbeschlag findest Du hinter dem Link.

Vergleiche: An welche Belastung sind die Hufe Deines Pferdes gewöhnt? Wie viele Stunden täglich bewegt sich Dein Pferd auf dem Boden, auf dem Du es reiten möchtest?

Mein Pferd lebt im Offenstall, war noch nie beschlagen und kann dennoch nicht gut auf hartem oder geschottertem Boden laufen. Warum?

Der Huf passt sich auf Dauer den vorhandenen Gegebenheiten an. Wenn Dein Pferd zum Beispiel in einem eingestreuten Offenstall mit kleiner, befestigter Fläche und Matschauslauf oder Sandauslauf lebt, ist es genau an diese Bodenverhältnisse optimal angepasst. Mehrmals die Woche 1- oder 2-stündige Ausritte auf Asphalt oder Schotter sind für Dein Pferd dann ungewohnt.

Wenn Du Dein Pferd TÄGLICH 5-6 Stunden auf hartem oder geschottertem Boden bewegst, werden sich die Hufe in wenigen Monaten darauf eingestellt haben. Sollte es dann, trotz aller Abhärtung, immer noch nicht gut auf diesem Boden zurecht kommen, liegt ein gesundheitliches Problem im Huf vor! Häufig sind die inneren Strukturen eines äußerlich gesunden Hufes nicht ausreichend entwickelt. Dem kann durch naturnahe Hufpflege und dem vorübergehenden Gebrauch von Hufschuhen Abhilfe geleistet werden. Nähere Infos zum Komfort von Hufschuhen findest Du hinter dem Link!

Natürlich wissen wir, dass die meisten Pferdebesitzer ihre Pferde nicht täglich 5-6 Stunden im Gelände über Stock und Stein bewegen können. Irgendwer muss ja auch mal das Geld verdienen, was ein Pferd für seinen gehobenen Lebensstandard so verbraucht :-)

Daher können wir nur die Lebensbedingungen des Pferde entsprechend gestalten.

Viele unserer Kunden haben Teile ihre Ausläufe oder Durchgänge gepflastert und/oder geschottert, um ihren Pferden ständigen Anreiz auf dem gewünschten Boden zu bieten. Dadurch haben sich die Hufe soweit konditioniert, dass Ausritte problemlos in jeglichem Tempo auf geschotterten Wegen möglich sind. Mit einfachen Mitteln kann das bewerkstelligt werden, z. B. kann mit günstigem Recycling – Material der Boden befestigt werden, dies kann auch dem Stallbetreiber einer Pensionspferdehaltung vorgeschlagen werden. Sprich mit dem örtlichen Baustoffhandel und nimm die unterschiedlichen Materialien in Augenschein, mit ein wenig Phantasie kann die existente Haltung einfach und kostengünstig optimiert werden.

Oder Sie suchen z. B. einen Bewegungsstall, der durch die LAG (www.lag-online.de) beurteilt wurde. Das Aktivstall – Konzept von HIT (www.aktivstall.de) ist eines der Bekanntesten welches für die Pensionspferdehaltung entwickelt wurde. Auf der HomePage findet sich eine Referenz – Liste. Noch gibt es keine Richtlinien, die das Huftraining effektiv berücksichtigen.

Mein Pferd kann nicht barfuß laufen, die Hufe brechen aus und es geht lahm! Wie soll ich das verhindern?

Sobald Du die Lebensbedingungen Deines Pferdes änderst und die korrekte Hufform herstellst, wird von diesem Moment an auch anderes Hufhorn gebildet – das allerdings erst in 8-10 Monaten vollständig unten am Tragrand „angekommen“ ist. Solange werden die Hufe Deines Pferdes brüchig, ausgefranst und nicht so belastbar wie gesunde Hufe sein. Du kannst selbst bestimmen, wie schnell oder langsam Du Dein endgültiges Ziel erreichen willst: Je mehr sich Dein Pferd bewegt, umso schneller werden seine Hufe wachsen, weil die Blutzirkulation durch den Hufmechanismus angeregt wird und somit neue „Baustoffe“ in den Huf transportiert werden. Daher arbeiten wir in dieser Übergangszeit mit Hufschuhen, die Deinem Pferd ermöglichen, sich so viel wie möglich zu bewegen. Jeder Schritt ist ein Schritt in Richtung Heilung! Im Stehen wird kein Pferd gesund.

Solch eine Umstellung wird jedoch nur gelingen, wenn die Hufe Deines Pferdes gleichzeitig auch in eine gesunde, physiologische Form gebracht werden. Bestehen falsche Belastungszustände am Huf, kann die Blutzirkulation nicht richtig funktionieren und nicht genug neues Horn nachproduziert werden oder der Abrieb ungleichmäßig sein, weil Teilbereiche des Hufes mehr belastet werden als andere. Um gutes Horn zu bilden braucht das Pferd über die Nahrung eine Zufuhr von Aminosäuren und anderen Stoffen, dies sollte entsprechend berücksichtig werden. Dabei haben sich hochwertige Futtermittel bewährt wie z. B. das HufAktiv von Atcom. Auch wenn man am Anfang eine deutlich hohe Dosierung geben sollte, um die Speicher aufzufüllen und dem Pferd die Gelegenheit zu geben die Mangelzustände zu beseitigen, ergibt sich nach einer gewissen Zeit die Notwendigkeit die Dosierung herunterzufahren, das kann dann soweit gehen, dass nur noch eine Erhaltungsdosis gegeben werden muss. Wenn man das berücksichtigt ist so ein rel. kostenintensives Huffutter auf die Dauer ähnlich günstig, ein normales Mineralfutter.

Entscheidest Du Dich für eine Veränderung der Lebensbedingungen Deines Pferdes und eine Hufbearbeitung, welche die Hufe wieder in ihre gesunde Form zurückbringt, verbesserst Du damit die Lebensqualität und -erwartung Deines Pferdes entscheidend und AUF DAUER!

Bei einem gemäßigten Ausbrechen oder Wegsplittern des Tragrandes denke daran, dass sich das Pferd seine Barhufe so zurechtläuft, wie es sie braucht. An sich deutet das auf zu große Hebelkräfte hin, z. B. bei zu langen Bearbeitungsintervallen oder unsachgemäßer Hufbearbeitung. Um das Ganze in Schach zu halten kannst Du die Wand ein bisschen nachraspeln; eine Hufraspel bekommst Du bei Deinem Naturhufpfleger. Natürlich sind auch die Bearbeitungsintervalle entsprechend anzupassen.

Warum haben Pferde, die nach der Naturhufpflege bearbeitet werden, so oft kurze Trachten?

Wir orientieren uns an der Hufform, die wir bei wildlebenden, gesunden Pferden vorfinden. Diese Form ermöglicht dem Hufbein eine nahezu bodenparallele Lage in der Kapsel einzunehmen, was beim Barfußlaufen für optimalen Hufmechanismus, gesunde Durchblutungs- und Belastungszustände im Huf sorgt und dem Pferd so größtmöglichen Komfort bietet.

Die daraus resultierenden, positiven Auswirkungen betreffen den GESAMTEN Organismus des Pferdes. Der Huf ist nicht nur ein Fortbewegungsmittel, er übernimmt auch ganz entscheidende Aufgaben in der Stoßdämpfung der Gliedmaße, dem Stoffwechsel und der Herzunterstüzung! Ausführliche Informationen dazu findest Du unter dem Punkt Gesunder Huf.

Die Trachten sind lediglich ein kleiner Teil der Hufzubereitung, wir wenden natürlich eine ganzheitliche Betrachtungsweise an:

Wir bearbeiten also den Huf je nach vorgefundenem Zustand so, dass das Hufbein eine möglichst Bodenparallele Lage einnehmen, oder in Zukunft wieder einnehmen können wird. Scherkräfte minimieren wir, so dass Wandteile nicht mehr destruktiv weghebeln können und den Hufbeinträge schädigen. Das zeigt sich auch in einer recht kurz gehaltenen Zehe, die für ein leichtes Abrollen sorgt, wie mit einem Turnschuh. Trotzdem muss natürlich eine gute Auflagefläche dem Pferd eine bequeme, achsengerechte  Stellung ermöglichen, so werden z. B. die Beuge- und Strecksehnen entlastet und damit auch das quasi ermüdungsfreie Stehen unterstützt.

Vergleiche: Wie fühlst Du Dich nach einem Abend auf Stöckelschuhen? Wie fühlt sich Dein Pferd, das seine hohen Schuhe nicht nach ein paar Stunden erleichtert ausziehen kann?

Wenn das alles stimmt, dann sind ja mehr als 95 % aller Pferde als krank anzusehen, oder?

Leider ist es tatsächlich so! Wir kennen heute eigentlich nur noch Pferde mit nicht voll belastbaren, kranken Hufen, ganz gleich, ob sie nun beschlagen sind oder nicht. Ob in Reitsportkatalogen oder Pferdebüchern, selbst in der Fachliteratur (!!!) von Tierärzten und Hufschmieden.

Überall sind kranke, deformierte Hufe als anatomisch richtig dargestellt, die dem Tier in der Natur keine Überlebensmöglichkeit bieten würden bzw. für unsere heutigen Nutzungsansprüche nicht ausgelegt sind, da die Haltung darauf nicht ausgerichtet ist. Daraus resultiert, dass bei den Pferdebesitzern kein Problembewusstsein vorhanden ist, da unsere Augen an den falschen Anblick schlicht gewöhnt sind. Deswegen setzen wir uns dafür ein, dass mehr Wissen über den Huf im Allgemeinen und Natural Hoof Care im Besonderen Verbreitung findet.

In einer Statistik über die Ausfallursache von Sportpferden wurden 83% der Pferde mit Schäden am Bewegungsapparat erfasst. Ein deutlicher Verweis auf den kranken, deformierten Huf, der die Hauptursache für diesen dramatischen, frühzeitigen Verschleiß darstellt und noch nicht einmal mehr den geringsten Anforderungen gewachsen ist, fehlt.

Warum läuft mein Pferd mit Eisen besser als barfuß?

Eisen und erhöhte Trachten schränken den Hufmechanismus und die Blutzirkulation im Huf erheblich ein, dadurch wird eine Art Taubheitsgefühl – ähnlich einem eingeschlafenen Arm oder Bein – erzielt (nachgewiesen durch Dr. C. Pollitt in seiner Dokumentation „Equine Foot Studies“). Zusätzlich schafft das Eisen einen Abstand zwischen dem kranken Innenleben des Hufes und den Bodenreizen. Auf diese Weise können kranke Hufe plötzlich wieder schmerzfrei erscheinen und belastet werden. Nicht aber das Barfußlaufen verursacht die Schmerzen, sondern das Laufen auf kranken, deformierten Hufen! Möchtest Du, dass Dein Pferd auf gefühllosen Hufen durch die Gegend läuft und Dir nicht mitteilen kann, dass etwas nicht in Ordnung ist und damit seiner Gesundheit schadet?

Weiterhin finden wir heute bei vielen Pferden viel zu hohe/lange Eckstreben vor, die bei Belastung auf hartem Boden die empfindliche Lederhaut quetschen und uns signalisieren: „Stopp – auf diesem Boden drückt mir der Stein im Schuh besonders, hier kann ich so einfach nicht laufen.“ Ein Kürzen der Eckstreben in ihre natürliche Lage zurück zeigt verblüffende Wirkung.

Warum laufen viele Pferde, denen die Eisen abgenommen werden, plötzlich so viel schlechter als vorher?

Wenn der Hufmechanismus bei einem – vorher scheinbar gesunden – Pferd wieder optimal funktioniert und die Durchblutung zurückkehrt, fangen die Nerven wieder an zu arbeiten und das Pferd spürt plötzlich seinen Untergrund. Dies kann so ungewohnt sein, dass es zunächst einmal klamm oder sogar lahm geht. (Vergleichbar mit eiskalten, fast erfrorenen Händen, die beim Erwärmen anfangen zu schmerzen, wenn das Gefühl zurück kehrt. Würdest Du daher lieber kalte, gefühllose Hände behalten wollen?)

Wenn das Pferd nach der „Auftauphase“ aber immer noch schlecht läuft oder lahmt, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas im Huf nicht stimmt. Geweberegeneration kann tatsächlich mit Schmerzen verbunden sein. In dieser Zeit sollte die Belastung/Nutzung des Pferdes entsprechend angepasst, die Bewegung aber auf keinen Fall verhindert/eingeschränkt werden. Hufschuhe, evtl. mit entsprechenden Einlagen, stellen eine große Hilfe dar.

Auch kann das Pferd mit Beginn der Behandlung plötzlich anfangen zu husten, das Fell kann sich verändern, es kann munterer oder auch schlapper erscheinen. Das liegt daran, dass mit Wiedereinsetzen des Hufmechanismus eine „Entgiftung“ des Körpers stattfindet. Dieser Prozess kann mit Naturheilmitteln unterstützt werden.

Wie extrem ein Pferd reagiert, hängt jedoch von der Vorschädigung ab. Ein junges Pferd aus Offenstallhaltung wird weniger Probleme äußern als ein Älteres, das viele Jahre beschlagen war und in der Box gehalten wurde.

Dies alles sollte für Dich jedoch kein Grund sein, Deinem Pferd die Behandlung zu „ersparen“. Wenn Du den Weg vom „Couch-Potatoe“ zum Freizeitsportler einschlagen möchtest, um langfristig gesünder zu leben, wirst Du anfangs um den einen oder anderen Muskelkater auch nicht herum kommen.

Warum seid ihr Naturhufpfleger so viel teurer als Hufschmiede?

Das ist so nicht ganz richtig. Der Hufschmied ist nur dann billiger, wenn er Dein Pferd nicht beschlägt. Sobald Du einen gut ausgebildeten Hufschmied holst und einen Beschlag anbringen lässt, wird das wesentlich teurer. Wir bieten Dir zu einem angemessenen Preis unser ganzes Wissen einer rein auf Barhufbearbeitung ausgerichteten Ausbildung, Beratung zum Thema Haltung, Fütterung, evtl. Reiten usw. Unser ganzheitlicher Ansatz erfordert mehr Zeit und Hintergrundwissen als das, was viele Hufschmiede bei einem Barhufpferd tut.

Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, dass Dein Pferd nach jeder Behandlung durch uns erkennbar besser läuft – bis es schließlich ganz gesund ist.

Wie lange würde es dauern, bis mein Pferd auch auf Schotterwegen barfuß laufen kann?

Es kann – je nach Gesundheitszustand – ein paar Monate oder auch ein bis zwei Jahre dauern, bis Dein Pferd rundum gesunde Hufe hat. Das Hufbein muss sich höher in der Kapsel aufhängen, die Sohle muss verschwielen und bei vielen Pferden muss das Strahlpolster erst, wie von der Natur vorgesehen, verknorpeln. Wenn Du Dein Pferd an härtere Böden gewöhnen möchtest, solltest Du damit warten, bis wir Dir grünes Licht geben! Vorher arbeiten wir mit Hufschuhen, denn es macht keinen Sinn, einen noch nicht ganz gesunden Huf mit Schotter zu konfrontieren – im schlimmsten Falle kann das zu Entzündung der Sohlenlederhaut führen.

Wie warm dürfen Hufe sein? Wann sind sie entzündet und wann mangeldurchblutet und unterversorgt?

Gesunde (Bar)Hufe fühlen sich rund um die Uhr angenehm lauwarm an. Durch den am Barhuf funktionstüchtigen Hufmechanismus findet auch in den Hufen ein ständiger Blutumtrieb statt. Diesen kann man anhand der Temperatur/Wärme fühlen. Da das Horn auch ein guter Isolator ist, würde ich eine gesunde Huftemperatur zwischen 20° und 25°, also etwas niedriger als die eigentliche Körpertemperatur, schätzen. Der Kronsaum ist in der Regel wärmer als der restliche Huf, weil dort die Blutgefäße nicht so gut isoliert sind. Ist die Huftemperatur deutlich darüber, so dass sich sowohl der Huf oder ein Teil der Sehnen oder Bänder HEIß anfühlt, ist dass ein klarer Hinweis auf eine Entzündung. Fühlen sich Hufe trotz ständiger Bewegung im Offenstall immer noch kühl an, ist das ein klarer Hinweis auf einen nicht funktionstüchtigen Hufmechanismus und absolute Mangeldurchblutung (Unterversorgung der Lederhaut), die zu schweren Schäden der Huflederhaut führen kann. Dies ist leider häufig bei beschlagenen Pferden der Fall.

Welche Pflegemittel sind für Hufe sinnvoll und notwendig?

Wir orientieren uns bei der Hufpflege immer am Wildpferd. An wildlebenden Pferden kann man noch heute beobachten, was für Pferdehufe normal ist und was nicht. Normal ist, dass die Hufe täglich mit Wasser in Kontakt kommen (nämlich beim Trinken - mal mehr, mal weniger) und im Laufe der Jahreszeiten hartem, trockenem, aber auch nassem, schlammigem Boden ausgesetzt sind. Mit Ölen oder Fetten dagegen kommt der Huf des wildlebenden Pferdes überhaupt nicht in Kontakt. In Trockenperioden ist es daher ratsam, die Hufe zu baden oder im Auslauf z.B. vor der Tränke ein "Schlammloch" einzurichten, in dem die Pferde dann beim Trinken stehen müssen, um die Hufe mit der nötigen Feuchtigkeit zu versorgen. Trocknet das Horn zu stark aus, wird es schnell spröde und rissig. Verbringt das Pferd den Großteil des Tages in der Box, so dass die Hufe ständig mit Kot, Urin und einer Vielzahl von Pilzen und Bakterien in Berührung kommen, kann man nicht erwarten, dass sich unter diesen Bedingungen ein widerstandsfähiger Huf bildet. Huffestiger und ähnliche Dinge, die helfen sollen, die Hornqualität zu verbessern oder den Abrieb zu mindern, zeigen erfahrungsgemäß nur wenig Wirkung. Was in solchen Fällen nachhaltig helfen würde, die Hornqualität zu verbessern, sind Veränderungen der Lebensbedingungen! Oft leidet der Strahl bei oben genannter Problematik gewaltig. Er ist rissig und aufgeweicht und fängt leicht an zu gammeln. Das Pferd schafft es nicht aus eigener Kraft, die immer wieder kehrende Flut von Bakterien vollständig zu bekämpfen. Hier wäre es angezeigt, den Gammelprozess z.B. durch sanfte und naturnahe Produkte wie Teebaumöl, EM`s oder einem Gemisch aus Obstessig und Wasser zu unterbrechen, bevor es zu heftiger Strahlfäule oder gar zu Hufkrebs kommt. All dieses könnte man stark eindämmen oder gar vermeiden, wenn das Pferd so natürlich wie möglich gehalten wird!

Mein Pferd will sehr ungern auf hartem Boden oder Schotter laufen. Hat das etwas mit den Hufen zu tun?

Wenn ein Pferd fühlig geht, also harten Boden und Schotter meidet, kann das zwei Ursachen haben: Entweder ist die Hufform/Hufbearbeitung oder die Fütterung nicht in Ordnung. Meistens trifft beides zu!
Wurden die Hufe nicht korrekt bearbeitet, d.h. wurde z.B. zu viel von der Sohle oder zu viel vom Strahl weggenommen oder ist der Tragrandüberstand zu lang oder zu kurz, kann das zu Fühligkeit führen, weil empfindliche Strukturen zu nah am Boden sind und zu wenig schützendes Horn vorhanden ist. Dann ist die Fühligkeit nach der Bearbeitung stärker und lässt anschließend wieder nach.
Stimmt die Hufform generell nicht, weil die Hufe lange Zeit falsch bearbeitet wurden oder weil eine falsche Fütterung über längere Zeit dafür gesorgt hat, dass sich die Hufe verformt haben, ist das Pferd immer fühlig.

Woher kommt ein weicher Ballen?

Der Ballen ist bei unterschiedlichen Pferden verschieden hart. Wenn es an der Haltung liegt, solltest Du eine Veränderung bemerken, je nachdem wie das Wetter ist. Oft liegt es auch daran, dass die Pferde nicht korrekt fußen und dadurch ihren Ballen nicht genug benutzen. Dann wird dieser schwach und verkümmert. Manchmal ist der Ballenbereich auch von Pilzen befallen, was die Haut weich erscheinen lassen kann, dann ist in der Strahlfurche meist eine weiße, käsig riechende Substanz. Einen Pilz kann man je nach Befall mit Essig, effektiven Mikroorganismen oder Bädern in colloidalem Silber bekämpfen.

Woher kommt eine Hufgelenksentzündung?

Meistens kommen Sehnen - und Gelenksprobleme daher, dass das Pferd nicht richtig läuft. Wenn es auf Grund einer falschen Hufform (nicht passender Schuh) oder auf Grund von Schmerzen im Huf (drückender Schuh) ein unnatürliches Gangbild entwickelt hat, werden die Gelenke, Sehnen und Bänder ständig überlastet oder fehlbelastet und neigen dazu, sich zu entzünden. Für die Ausheilung einer Entzündung ist es wichtig, dass Du Deinem Pferd genügend Regenerationszeit gibst. Wenn Du also wieder zu reiten anfängst, dann viel Schritt geradeaus, keine engen Wendungen, kein hohes Tempo, kein longieren. Pferde zeigen Schmerz erst, wenn er ziemlich stark ist, es kann also sein, dass Dein Pferd schon wieder klar geht, obwohl die Entzündung noch nicht ganz verschwunden ist. Dann wäre eine Überlastung fatal.

Sind Veränderungen am Knochen schmerzhaft?

Schmerzhaft sind die akuten Entzündungen (z.B. an der Knochenhaut, Huflederhaut oder an Sehnen- und Bänderansatzstellen), die oft Knochenveränderungen mit sich ziehen. Diese gehen natürlich nicht weg, wenn man ein Eisen aufnagelt. Beseitigt man die Ursache, kann man oft weitere Knochenveränderungen stoppen. Meist liegt die Ursache in einer krankhaftenen Hufform in Kombination mit einem ungesunden Bewegungsverhalten. Es kann passieren, dass eine Knochveränderung eine Bewegungseinschränkung bestimmter Gelenke mit sich sieht. In diesem Fall sind weitere schmerzhafte (Gelenks-)Entzündungen wahrscheinlich.

Was tun bei Schale?

Schale ist eine Knochenzubildung am Gelenk. Operationsmöglichkeiten sind uns nicht bekannt. Je nachdem, wie ausgeprägt die Schale ist, können die Pferde damit noch lange schmerzfrei zurechtkommen. Es ist wie bei jeder Form der Arthrose am besten, wenn das Pferd sich selbst so bewegen kann, wie es möchte und viel Schritt geradeaus geht. Dadurch bleibt alles gut durchblutet und die Gelenke mit Flüssigkeit "geschmiert".
Übrigens: Ein gesunder Barhuf übernimmt in solchen Fällen die Funktion eines "Turnschuhs" oder einer "Gesundheitslatsche", indem er möglichst gute Stoßdämpfung und einfaches Abrollen ermöglicht.

Lange Zehe, kurze Trachte... was ist zu tun?

Wenn Zehe und Trachte regelmäßig kurz gehalten werden, richtet sich der Huf nach und nach auf und bekommt mehr "Gesamthufhöhe". Generell bedeutet "kurze Trachte" nicht automatisch ein Problem. Wenn die Zehe in der richtigen Länge ist und das Pferd gut laufen kann, kannst Du davon ausgehen, dass auch die Trachtenlänge stimmt. Es ist zu empfehlen, jede Woche nach Anleitung nachzuraspeln und die Hufpflegetermine alle 4-8 Wochen einzuhalten.

Gibt es ein Wundermittel, welches die Hufe schneller wachsen lässt?

Warum die Hufe Deines Pferdes nur sehr langsam und in schlechter Qualität wachsen, kann viele Ursachen haben, wie z.B. Mangeldurchblutung auf Grund von zu wenig Bewegung, nicht optimalen Haltungsbedingungen, fehlerhafter Beschlag, krankhafter Hufform und Stellung, fehlerhafter Fütterung, Stoffwechselproblemen, etc. Das wirksamste Wundermittel ist, die Ursache zu finden und abzustellen! Es wird z.B. keinen Erfolg bringen, dem Pferd wertvolles Ergänzungsfutter zu füttern, wenn die Nährstoffe auf Grund von Mangeldurchblutung gar nicht in den Huf gelangen.

Ihr schreibt, ihr habt Euch zum Teil von der Dr.Strasser Methode abgewandt. Worin besteht denn jetzt der Unterschied und was ist dadurch besser geworden?

Unser Ziel sind gesunde leistungsstarke Pferde mit gesunden leistungsstarken Barhufen. Mit der Strasser-Methode konnten wir zwar einigen sehr kranken Pferden Besserung verschaffen, dass endgültige Ziel "Schotterbarhufpferde" jedoch nicht erreichen. Die Behandlung stagnierte irgendwann, so dass die Pferde zwar auf weichem oder ebenem Boden gut zu Fuß waren, jedoch auf unebenen Bodenverhältnissen immer noch Fühligkeiten zeigten. Auf den Fortbildungen wurde uns gelehrt die Hufe noch intensiver zu bearbeiten, da sich laut Begründung immer noch störende Hornbestandteile am Huf befanden, die für das Unwohlsein verantwortlich sein sollten! Je intensiver wir diesen Weg verfolgten um den Pferden zu helfen, je mehr wichen die Hufe von der Form und Widerstandsfähigkeit der Wildpferdehufe (auf die einst auch die Strasser-Theorie aufgebaut war) ab. Die Pferde zeigten eine deutliche Verschlechterung in der Lauffreude! Das konnte weder für die Pferde noch für uns der richtige Weg sein! Deswegen fingen wir an, uns am Wildpferdemodel zu orientieren und uns in Richtung wildhorsetrimm und naturalhoofcare weiter zu bilden. Denn welches Pferd hat schon so gesunde und leistungsstarke Barhufe wie das Wildpferd! Der größte Unterschied besteht wohl darin, die Hufe nicht in eine bestimmte Form pressen zu wollen, sondern das Pferd mit seiner Vorgeschichte zu respektieren und es darin zu unterstützen "Wohlfühlbarhufe" zu entwickeln, mit denen es trotz eventueller Vorschädigung gut zurecht kommt und leistungsfähig bleibt. Das ist für uns gesund! Wenn Du detaillierte Informationen und Vergleiche beider Hufpflegemethoden haben möchten, kann ich Dir diese Seite empfehlen http://www.arianereaves.de/strategie.html. Gleich geblieben sind die Ansichten, dass die Hufpflege nur einen kleinen Teil zur Pferdegesundheit beiträgt und nur funktionieren kann, wenn die essentiell notwendigen Voraussetzungen wie artgerechte Lebensbedingungen (bei denen sich das Pferd möglichst 24 Std. uneingeschränkt bewegen kann) und physiologische Fütterung vorhanden sind.

Was ist ein "Kapselriss" und wie passiert so etwas?

Wenn die Hufkapsel unphysiologischen Spannungsverhältnissen ausgesetzt ist, kann es passieren, dass die Kapsel dieser Spannung durch einen Riss nachgibt. Dass nennt man Kapselriss. Unphysiologische Spannungsverhältnisse können durch eine unnatürliche und krankhafte Hufform, Vernachlässigung oder fehlerhaften Hufbeschlag entstehen. Die Therapie besteht darin, den Huf durch naturnahe Hufpflege darin zu unterstützen, wieder in seine eigentliche und gesunde Form zurück zu gelangen. Dadurch verschwinden die unnatürlichen Spannungsverhältnisse und der Riss wächst geschlossen heraus.

Woher kommen Stellungsfehler?

Wenn ein Pferd ein verändertes Gangbild zeigt, sich die Hufe unterschiedlich und schief abnutzen, gibt es oft zwei mögliche Ursachen:
1. Es liegt ein konkretes Problem der Hufform vor, d.h. Dein Pferd mag die Hufe nicht gleichmäßig belasten, weil es irgendwo drückt, quetscht, schmerzt, etc. Dann kann man den Huf mit Naturhufpflege darin unterstützen wieder in seine eigentliche, gesunde und balancierte Form zurück zu finden und die Schmerzursache beseitigen oder
2. Dein Pferd hat verhärtete Muskelpatien und/oder Blockaden. Dann kann man mittels Physiotherapie, Chiropraktik oder Ostheopathie diese Blockade lösen und die Muskulatur entspannen, damit Dein Pferd seine Hufe wieder gleichmäßig belasten kann. Haben sich die Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder schon an diese Situation angepasst, kann man nur noch versuchen, es dem Pferd mit seinen Vorschädigungen so bequem wie möglich zu machen.

Mein Hufschmied meint, dass ein Bockhuf am Besten durch Hufbeschlag zu korrigieren ist oder geht das auch barhuf? Ich möchte das Beste für die Gelenke und keine Arthrosen und Verschleiß im Alter!

Hufe kann man am Besten korrigieren, wenn das Pferd barhuf ist, denn dann können die Korrekturen in kurzen Abständen erfolgen (evtl auch durch den Besitzer) und sind somit sehr schonend für die Gelenke, Sehnen und Bänder. Wenn das Pferd beschlagen ist (völlig egal ob mit Eisen oder Kunststoff), werden die Hufe nur alle sechs bis acht Wochen bearbeitet werden können, weil der Huf im unteren Bereich ansonsten ganz durchlöchert wird und somit die Hornqualität extrem leidet. Die Korrektur kann dann nicht mehr sanft sein! Des weiteren schränkt der Beschlag den Hufmechanismus massiv ein und setzt damit ca 80% der möglichen Stoßdämpfung außer Kraft! Gerade bei einem Bockhuf ist damit ganz sicher der Grundstein für Gelenkserkrankungen in Alter gelegt. Deswegen würde ich von einem Beschlag in jedem Fall abraten! Bei der Korrektur von Bockhufen ist es besonders wichtig auf die Fußung zu achten. Wenn man den Huf so bearbeitet, dass sich das Pferd wohl auf seinen Hufen fühlt, schwungvoll läuft und eine Trachtenfußung zeigt, wird sich der Huf ganz von allein in die "richtige" Form abnutzen. Das ist die beste Altersvorsorge die es gibt ;o)